Märchenschloss

Als Märchen (Diminutiv zum mittelhochdeutschen Begriff „maere“= Kunde, Bericht, Nachricht) werden in Prosa verfasste, frei erfundene Erzählungen bezeichnet. Sie berichten von übernatürlichen und fantastischen Geschehnissen. Märchen handeln oft von Problemen, Nöten oder Schwierigkeiten. Diese werden durch die Taten der heldenhaften Hauptfigur gelöst. Märchen kommen in unterschiedlichsten Ausprägungen in allen Kulturkreisen vor.
Sie sind kurze und einfach verständliche Texte. Somit können auch Kinder sie gut verstehen. Trotzdem sind viele Originalfassungen von Märchen sehr grausam. In den meisten Geschichten wird der Bösewicht am Ende als Strafe für sein schlechtes Verhalten verbrannt, gefoltert oder hingerichtet. Aus diesem Grund wurden viele Märchen im Laufe der Jahre inhaltlich etwas abgeändert. Die grausamen Strafen sind in vielen Fassungen der heutigen Zeit etwas abgeschwächt und somit sind die Märchen für Kinder besser geeignet.  

Unterschieden wird die Gattung in „Volksmärchen“ und „Kunstmärchen“:

Volksmärchen sind mündlich überlieferte Erzählungen (meist mit „Happy End“), die keinem Autor zuzuordnen sind und die von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden. Sogenannte Märchensammler sammelten und verschriftlichten diese Erzählungen. Zu den sicherlich berühmtesten Märchensammlern gehören die Gebrüder Grimm.

In Abgrenzung dazu stehen die Kunstmärchen, welche von einem eindeutig zuzuordnenden Autor verfasst wurden. Sie greifen lediglich auf den Stil des Märchens zurück. Zu den bekanntesten Kunstmärchen im europäischen Raum gehören unter Anderem:

  • Das kalte Herz – Wilhelm Hauff
  • Der kleine Muck – Wilhelm Hauff
  • Die Prinzessin auf der Erbse – Hans Christian Andersen
  • Das hässliche Entlein – Hans Christian Andersen
  • Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen – Hans Christian Andersen

Im Gegensatz zum Volksmärchen enden Kunstmärchen oft tragisch.

Falls du noch mehr über verschiedene Kunstmärchenautoren und Märchensammlern erfahren willst, findest du ausführliche Portraits

Charakterisierende Merkmale von Märchen

Der Literaturwissenschaftler Max Luthi legt in seinem Buch „Das europäische Volksmärchen – Form und Wesen“ charakterisierende Merkmale für den Aufbau eines Volksmärchens fest. Hierbei stechen vor allem folgende Merkmale hervor:

  1. Eindimensionalität:
    Das Jenseits verschwimmt in Märchen mit dem Diesseits:
    Die reale Welt verschwimmt übergangslos mit dem Fantastischen. So verkehren Menschen der diesseitigen Welt selbstverständlich mit fantastischen Wesen wie Hexen oder sprechenden Tieren.
  2. Flächenhaftigkeit:
    Märchen besitzen keine Tiefengliederung. Märchenfiguren verfügen weder über einen Charakter, noch über eine innere Gefühlswelt. Außerdem spielen Orts- und Zeitangaben keine Rolle. Auf diese Weise werden Handlungen ohne Bezug auf die Vergangenheit oder die Zukunft beschrieben. Märchen greifen außerdem häufig einfache Gegensätze wie „Gut und Böse“, „Arm und Reich“ oder „Dumm und Schlau“ auf. Die verschiedenen Märchenfiguren verkörpern diese Gegensätze.
  3. Abstrakter Stil:
    Stilistisch stechen Märchen besonders durch folgende Merkmale hervor:
    • Märchen nutzen formelhafte Satzanfänge und Schlusssätze („Es war einmal“, „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“).
    • Es gibt viele Wiederholungen von Sätzen.
    • Das Stilmittel der indirekten Rede kommt häufig zum Einsatz. 
    • Räume sind nicht klar definiert: Schauplätze sind nicht real und im Märchen auch nicht genauer definiert. Stattdessen ist lediglich die Rede von allgemeinen Bezeichnungen wie „der Wald“ oder „das Königreich“.
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