Märchenhafte Landschaft

In der deutschen Literatur gibt es viele verschiedene Textgattungen. Diese lassen sich anhand bestimmter Merkmale unterscheiden.
Märchen, Fabeln und Sagen werden zu einer der drei „Naturformen der Poesie“ zugeordnet: der Epik. Diese beschreibt die erzählende Dichtung in Vers- oder Prosaform. Entscheidend hierbei ist der fiktionale Erzähler. Dieser darf nicht mit dem Autor verwechselt werden. Er gehört zum Konstrukt der Geschichte und gehört zu der vom Autor geschaffenen Welt. Manchmal tritt er deutlich als eigenständige Figur auf, in anderen Geschichten nicht. Märchen, Sagen und Fabeln gehören alle zu der sogenannten „epischen Kleinform“, da sie beispielsweise im Gegensatz zum Roman relativ kurz sind.

Die drei Textarten haben somit Vieles gemeinsam. In allen drei Arten geht es um übernatürliche Vorkommnisse, welche so in der Realität nicht passieren könnten. Und dennoch lassen sich einige charakteristische Unterschiede finden. Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Merkmale auf einen Blick. 

Abgrenzung zu verwandten Literaturgattungen

Merkmale MärchenFabel Sage
Stilo Prosao Vers oder Prosa;
o Moral der
Geschichte wird oft
als Epimythion
(=moralischer
Lehrsatz am
Ende der Fabel)
zusammengefasst
o Prosa
o Mündlich
überlieferte
Erzählungen, in
denen über
geheimnissvolle
Begebenheiten (mit
oft wahrem Kern)
erzählt wird.
Absicht / Aussageo Die Gerechtigkeit siegt über die Ungerechtigkeit
o Das Gute siegt über das Böse
o Siehe „Und die Moral von der Geschicht`“
o Moralische Lehre o Geben oft Erklärungsversuche für (in Entstehungszeiten) unerklärbare Phänomene
o Ranken sich um besondere Schauplätze
Figureno Namenlose Bezeichnung der Figuren (König, Prinzessin)
o „Allerweltsnamen“ (Hänsel und Gretel
o Bildgebende, erfundene Namen (Dornröschen, Schneewittchen, Aschenputtel)
o Figuren stehen für extreme Gegensätze
o Sprechende Tiere (oder Pflanzen) agieren mit menschlichen Charakterzügen, dabei werden Tiere stereotypisiert:
Fuchs = schlau,
Esel = dumm
Löwe = mächtig
o Häufig namentliche Nennung der Hauptfiguren
Ort- und Zeitangaben o Keine Orts- und Zeitangaben
(es ist lediglich von Schauplätzen wie „Wald“ oder „Königreich“ die Rede
o Keine Orts- und Zeitangabeno Genaue Orts-und Zeitangaben;
Reale Schauplätze
Historischer Bezug und Überlieferungo Volksmärchen:
Frei erfunden und mündlich überliefert
o Kunstmärchen:
Von einem namentlich bekannten Autor verfasst
o Von einem Autor frei erfunden (z.B. Aesop)o Historische Bezüge: Sagen knüpfen an reale Begebenheiten an, Mündliche Überlieferung
Einhaltung von Naturgesetzeno Aufhebung von Naturgesetzen (Vorkommen von Fabelwesen, Verwandlungen etc.)o Aufhebung von Naturgesetzen (Vorkommen von sprechenden Tiereno Teilweise Aufhebung von Naturgesetzen durch Vorkommen von fabelhaften Wesen; aber höherer Wirklichkeits-anspruch als Märchen
BeispieleSiehe Märchen aus aller Welto Hase und Igel
o Der Fuchs und die Trauben
o Nibelungensage

Quelle: Jolles, Andé (1999): Einfache Formen. Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz 7., unveränderte Auflage. Tübingen: Niemeyer

Hast du etwas noch nicht ganz verstanden? Die folgenden drei Lernvideos von „Deutsch in Bildern“ geben noch einmal einen tieferen Einblick in die Merkmale der drei verwandten Textsorten. 

Märchen

Fabeln

Sagen

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